Bote-Forum

Im Bote-Forum schreiben in unregelmässigen Abständen Persönlichkeiten aus dem Kanton Schwyz zu einem frei gewählten Thema.
Hier sind 2 von ihnen als PDF:

Der Meine Schweiz sieht besser aus als diese Öhis

Kunst kann die Welt neu denken


a village voice - stadtkolumnen

Insgesamt 15 Kolumnen sind im Winter/Frühling 2012 in New York entstanden und wurden im "Boten der Urschweiz" wöchentlich veröffentlicht.
Hier sind 3 von ihnen als PDF:

Der Central Park / Schafe im Himmel und ein Marschmensch

Montauk / Max Frisch und The Eternal Sunshine of the Spotless Mind

Swiss-Mitt / Blocher TV und grossbusige Amazonen


im freien fall

ich springe ab
mit einem stück brot in der hand
meinen worten
springe ich
durch meine schreibmaschine
quer
durch die erde hindurch
auf eine andere
seite

vielleicht wiegen sie
dort
ein wenig mehr
oder wenigstens ich
bin leicht

wie luft


in der waschmaschinenstadt

wie wenn sie vom staub
erschlagen würden
und den schmutzigen worten
ihrer selbstgespräche
waschen sie sich aus
in den waschmaschinenlounges
in den waschmaschinenstrassen
waschen sie sich frei
von den sehnsüchten
und dem letzten flecken dreck
auf ihren chlorgebleichten westen
verwaschen herr und frau propper
ihre gedanken
in der waschmaschinenstadt
klammern sie sich an vorgespannte
wäscheleinen weichgespült
an einer lauen mittagsbrise
trocknen sie aus
und gehen ein


die geburt der hände

diese hände sind:

vielleicht schon vorgeschrieben
reiserouten / zimmerschlüssel

haben gedanken umgeschichtet
an überdachten wiesen gebaut

sind zu fäusten geworden
die angst versteckt

waren ozeandampfer
federn für gefallene

haben im eis gezittert
wurden spröde im sand

versuchten die welt zu fassen
und wandern immer noch

im hingehen über dich
in immer neuen spuren


einen atlantik legen

verreisen
heisst auch zurückkommen

an sich
das ausgefranste glätten

die poren lüften
fett-lösen

zwischen dürfen und müssen
einen atlantik legen

den stecker ziehn
glühwurm werden


die belagerte stadt

das aufgeblasene
von himmel zu schiessen

mit worten beschweren
was an gewicht verliert

auszukotzen
was nicht runterzuwürgen

namen zu nennen,
die wut.

schreiben ist meine
      freiheit
      ist eine worthülse
           ist das feigenblatt

der kannibalen

eine belagerte stadt
unter schwerem geschütz


versuche

und sobald es nicht mehr denkt mit dir und klar wird was unklar bleiben soll
und du traumwandelst und dich aus deinen träumen stürzest

wenn du aufrecht stehst und dich verbeugen kannst und für jeden moment einen namen findest
und unter tage lebst obschon du die nacht fürchtest

und du zu sehen beginnst dass du dich vergessen kannst auch wenn du dich erst am finden bist
wenn du einem gefühl gestalt gibst und es dir schatten spendet weil plötzlich so viel licht ist

und du es hörst
und wenn alles ganz still wird


o.T.

nur schon in der scheisse
zu schwimmen

heisst heute rebellion


der zeit fenster dichten

ich kann keinem stern
den stecker ziehen

keinem wind
das flüstern nehmen

und der wolke
ihren lauf

ich kann kleinen dingen
weite dichten

blinden
ihre augen malen

flaschenpost an die
vergessenen

der kieselstein
im schuh


noch warten wir

ich war schon
ausgezogen

als du noch
von neuen möbeln

sprachst
von frühlingsgefühlen

und frischer luft
wurde ich schon

beatmet
bei offenem mund

die worte
wie gelähmt


atlantis im sinn

mein versunkenes dorf
am see:

wo schon der frühling
von den bäumen fällt

die träume wegweiser
und wände augen haben.

ich bade in diesen strassen
auf denen andere noch gehn


angstschweiz

angstschweiss vor dem sein
haben


ohne passendes gesicht

unter dem bett

lagen noch zwei ohrringe
ohne passendes gesicht

ihr gefiel mein haar
ich sprach über ihre augen

nach vier stunden schlaf nahm sie den mittagsbus
ich hatte keine zeit um unter der dusche zu singen

humor, muskeln, pünktlichkeit
stand im inserat mit der chiffre-nummer 23-2

unter was sie mag


ungewichtig sind wir leicht

gedankendurchschüttelt
falle ich ins bett, suche
nach rissen in der decke, ein zeichen
von ungewolltem kraftausbruch mein herz
ist tiefe kohlengrube
wasser, ein paar fetzen haut
der rest